Donnerstag, 2. Mai 2013

Selber schuld

Also, stellen wir uns mal vor, da ist ein Mann, Mitte 40, blondierte Haare, Brustbehaarung, offenes Hemd. Und der fährt in die Stadt, mit seinem neuen BMW Cabrio. Und da lässt er laut die Musik laufen. Und parkt flott in zweiter Reihe aufm Ku'damm. Um schnell einen Espresso bei Leysieffer zu trinken. Und er lässt ganz lässig den lästigen Schlüssel stecken und den Motor laufen.

Und dann klaut ihm jemand das Auto.

Dann würde doch jeder sagen: »Selber schuld!« Oder?

Ku'damm Ecke Schlüterstraße (Foto: Emmeff)
Aber das ist er ja gar nicht: Es darf ihm niemand sein Auto klauen, auch wenn er alle förmlich dazu einzuladen scheint. Schuld ist der Dieb/die Diebin (über die Identität des Täters oder der Täterin ist der Polizei bislang nichts bekannt.)

Er war nicht schuld, sondern dämlich. Das ist ein Unterschied. (Vielleicht war er auch unwissend - kann ja sein, dass er nicht wusste, dass Autos auch geklaut werden können. Denkbar ist das.)

Und jetzt zu den Mädchen, die knappe Höschen tragen und anschließend dumm angemacht, belästigt oder vergewaltigt werden. Auch die sind nicht schuld. Sondern dämlich. Der gleiche Unterschied.

(Man merkt's übrigens schon an der Orthographie: das eine fängt mit »d« an. Kann man also ganz leicht unterscheiden - nur so als Tipp.)

Natürlich darf die niemand belästigen, genauso wenig, wie man Autos klauen darf. Aber man sollte auch niemanden dazu einladen.

Hinweis für Frauen: Auch wenn Ihr das ganz anders meint, und die Klamotten für Euch tragt: es kommt trotzdem anders an, und manche Menschen sind eben nicht immer gesetzeskonform eingestellt. Zieht an, was Ihr wollt, aber kommt hinterher nicht zu mir und heult.

Hinweis für Männer: Das mag für Euch neu sein, aber Frauen und Mädchen machen sich nur in den seltensten Fällen für Männer oder Jungs schick. Sie machen sich für die anderen Frauen und Mädchen schick. (Nicht, was jetzt jemand in seinem kranken Hirn denkt, nein!) Sie fühlen sich gut, wenn sie gut aussehen. 

Dass sie sich, wenn sie sich diesem Bewertungskriterium unterwerfen, irgendwie ja selber zu Objekten einer Gesellschaft machen, die sie dafür kritisieren, wissen manche von ihnen selber. Sie sind allerdings verunsichert und versuchen, gegenüber den kritischen Blicken der anderen und den sexistischen Bildern in Medien und Werbung zu bestehen.

Und das ist schwer. Unterstützen könnt ihr das, wenn ihr Komplimente für Dinge verteilt, die nichts mit Aussehen zu tun haben.

Und wenn es gar zu schwer wird, mit den kurzen Hosen und offenen Blüschen, aber offensichtlich da gar nichts gehen will, hab ich einen Tipp für Euch. Ihr müsst nur an eines denken, dann ist alles wieder entspannt. Es ist nur ein winziges Wort, aber es hilft oft Wunder. Das Wort lautet: »Ausfluss«.


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