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Freitag, 27. April 2012

Original und Kopie

Das ist die Kopie, die ja auch irgendwie aktuell ist:
Und das hier ist das Original, das ja auch noch aktuell ist, denn die großen Tage der us-amerikanischen Eisenbahn sind immer noch vorbei:
Ganz im Gegensatz dazu lief im Supermarkt gerade Erase/Rewind von den Cardigans, und das ist nun aber sowas von unaktuell, dass man der Jugend heute erklären müsste, was es mit der Metapher von magnetischer Tonaufzeichnung auf sich hat.

Mittwoch, 15. Juni 2011

Musik am Freitag

(Leise gesprochen, wie der Kommentar in so einem Tierfilm, in dem minutenlang sieht, wie die Reporter das Zelt aufbauen und tarnen): 
Der Sprachwandel ist ein scheuer Geselle und zeigt sich nur selten in freier Wildbahn. Man muss schon viel Glück haben, um Hinweise auf einen lebenden Sprachwandel zu erwischen. Umso erfreuliche und stolzer sind wir, hier und heute einen zeigen zu können.

Aus der beliebten Serie Grammatische und logische Fehler in Liedern heute ein englischer Fehler, der interessanterweise nur Muttersprachlern unterläuft - eben darum, weil es wahrscheinlich in ... naja, man weiß es eben nicht wieviel ... Jahren kein Fehler mehr sein wird.

Das genervte Publikum: Ja, was denn jetzt?
Die Tante Jensen: Me zu sagen, wenn es I heißen müsste.
Das genervte Publikum: Und warum?
Die Tante Jensen: Wahrscheinlich, weil I so klein und unscheinbar ist, dass es durch ein me ersetzt / verstärkt werden muss, damit auch klar ist, dass wirklich ich gemeint bin: Me, I don't understand it.

Richtig oft taucht der Fehler in komplexen Satzteilen auf, wenn es eigentlich you and I heißen müsste.


Eine tolle Pointe wäre, wenn ausgerechnet Alice Cooper es richtig machen würde, aber leider macht er es auch falsch. Wäre wohl besser noch ein bisschen länger zur Schule gegangen:


Dabei ist es gar nicht schwer: I verhält sich (im Unterschied zum richtigen Leben) genau so, wie wenn you nicht dabei wäre. Wenn das Paar also ein Objekt ist, ist you and me also richtig:


Wir merken uns also:
You and I were eating pie,
and there was tea for you and me.

Natürlich gibt's auch Leute, die das richtig machen. Aber zum Beispiel die Scorpions (das sind ja aber auch eben keine Muttersprachler). Grusel, Grusel!

Mittwoch, 18. Mai 2011

Kaputt war das hier

Und dann die Tante auch. Dabei war sie endlich mal vorbereitet. Und dazwischen ist sie nicht zum Bloggen gekommen aus Gründen, die Euch nichts angehen.



Jetzt werdet Ihr wieder fragen: "Julio Iglesias? Was soll der denn hier?" Wobei allerdings Ihr genau das noch nie gefragt habt, insofern bin ich ja wieder fein raus. Gleichwohl hat dieses Video seine Berechtigung, und zwar aus mehreren Gründen.
  1. nämlich hat der Julio auch mal beim Grand Prix mitgemacht, als der noch so hieß und man sich über die komischen Ausländer kaputtlachen konnte. Allerdings nicht mit diesem Liedl und hat auch nicht gewonnen. Schönerweise hat aber 
  2. 8 Jahre später mit genau diesem Lied den Grand Prix gewonnen, naja, nicht mit genau diesem Lied, nur dem Mittelteil (ab 2.59 min), der dann als Refrain weiterverwendet wurde.
  3. ist aber auch dieses Lied sehr interessant, wo wir schon bei den Ausländern, die noch richtige Ausländer waren, sind. Kein deutscher Interpret nämlich hätte diesen Text singen können, richtig ausgesprochen reimt sich Erde nicht auf werden. Aber - in den Worten einer spanischen Austauschstudentin, deren Namen ich leider vergessen habe, die aber Maria hieß - in "Eßpanien die Eßprachkurse sind Eßeiße" und darum darf der Julio das.Außerdem hat er doch so schöne Zähne.

Keinen Ausländerbonus hingegen bekam dieses Jahr Name-vergessen-endete-auf-ia für ihr Lied I Love Belarus:

I love Belarus, got it deep inside
I love Belarus, feel it in my mind
And I wanna see the sun shining from above
And I'm gonna every day give you all my love.

Das hat leider mit korrekter Satzstellung nichts zu tun. Zwischen gonna und dem Vollverb darf nichts stehen. Noch nicht mal - auch wenn's schwer fällt - Alexander Lukaschenko.
(Den ganzen Text in all seiner Gruseligkeit gibt's bei diggiloo.net. Feel it in my mind? Hat da jemand auch nur für 5 Sekunden nachgedacht? Ich kenne einige Bewusstseinsphilosophen, die bei solchen Konstrukten aber seeehr böse werden. Wenn auch nicht so böse wie, nur mal so als Beispiel, Alexander Lukaschenko.)

Ansonsten fand ich dieses Jahr Moldawien gut, und Ungarn auch. Und es ist schade, dass Jedward beim Verkauf ausgedienter Bühnenkostüme von Starlight Express nicht auch noch zwei Paar Rollschuhe gefunden haben. Dann hätten sie nicht so hektisch rumrennen müssen.

Dienstag, 19. April 2011

Gebildbrote sprachen mit dem toten Papst

Es ist Osterzeit, und da kriegt man ja wieder allerhand zu hören. Zum Beispiel, dass Jesus einem Jünger auftrug: Geh mal in das nächste Dorf, da steht ein Esel, auf dem noch niemand geritten ist und hol mir den, auf dem reit ich dann in die Stadt ein. Also Tote-aufwecken und Über-Wasser-gehen sind ja schon ganz schön abgespacet, aber das ist wirklich total verrückt.

Des weiteren kann man in Zeitungen, deren Redaktionen noch ein paar Stellen zu füllen hatten, was über Gebildbrote (also Backwaren, die einen konkreten bildnerischen Aufwand erfüllen, mithin etwas darstellen) lesen, die besonders zu Ostern beliebt seien. Zu diesen zähle auch die Brezel. Die stelle nämlich betende Kinderhände dar.

Isses Quatsch. Betende Hände sehen so aus:

Sähen betende Kinderhände so aus wie eine Brezel, müssten Kinder aber jeden Tag drei Mal den Heiligen Gerebernus anrufen mit der Bitte, ihre Unterarme wieder zu entknoten. In Wahrheit ist die Brezel eine hervorragende handwerkliche Lösung einer ökonomischen und statischen Aufgabenstellung:

Entwickle ein Backwerk, dass 
  1. möglichst viel Oberfläche hat,
  2. möglichst dünn ist, 
  3. dabei aber möglichst wenig Raum einnimmt,
  4. vor und nach der Herstellung möglichst formstabil bleibt und
  5. in möglichst wenig Arbeitsschritten hergestellt werden kann.
Das alles leistet die Brezel mit Bravour und genau darum ist sie auch noch immer so beliebt, beliebter sicherlich als das Beten, auch wenn das ja doch gar nicht weh tut.



Sie entsteht aus einem einzigen Teigstrang, es muss kaum was abgemessen oder geschnitten werden. Die Brezel ist fast gleichmäßig dünn, was eine gute Ofenauslastung zur Folge hat und auch dafür sorgt, dass sie fast gleichmäßig gar ist. Zusätzlich wird dadurch, dass es dicke und dünne Stellen gibt, jeder Geschmack befriedigt.
Ein 14cm x 14 cm großes Testobjekt wäre (war) ausgerollt 65 cm lang, also komplett unhandlich. Durch die drei Kontaktstellen ist die Brezel äußerst stabil, auch wenn man was abgebissen hat (das hebt sie gegen Teigkreise oder Schlangenformen heraus).

Und man kann sagen, wenn man sie stolz erfunden hat und die Kleriker anfangen zu maulen, dass das bestimmt nicht gottgewollt sei, weil davon ja nichts in der Bibel stehe, dass sie aussehe wie zwei betende Kinderhände. Wer glaubt, dass Eselbesitzer fröhlich ihre Esel hergeben wenn jemand kommt und sagt, es sei für den Messias, der glaubt auch, dass so betende Kinderhände aussehen.

Montag, 20. Dezember 2010

Das schlecht recherchierte Lied (aktualisiert)



Genau das, was man sich braucht, wenn man 200 km zu Fuß / auf einem Esel gereist ist und anschließend in einem Stall ein Kind geboren hat: Ein Rotzgör, das dem Baby was vortrommelt.

Hier die entsprechende Stelle aus dem Evangelium nach Matthäus:

21 Und es begab sich aber, das auch eine Gruppe von Knaben in der Nacht zum Stalle kam, in dem das Kind geboren ward. Auch sie hatten das 22 Singen der Engel gehört und waren herbei geeilt, den Messias zu schauen. Und sieh, sie hatten Geschenke gebracht, dem Gottessohn darzubringen. 23 Allein ein Junge war so arm, dass er kein Geschenk hatte. Daher hatte er seine Trommel herbeigebracht und spielte auf ihr für das Kindlein. Da erhob sich 24 Joseph in großem Zorne und rief: "Sagt mal, habt ihr den Arsch offen?? Lasst uns jetzt mal schlafen! Ihr könnt 25 morgen wiederkommen. Nicht nur, dass meine Frau hier in diesem Scheißstall ein Kind zur Welt bringen musste, jetzt kann man hier nicht mal 26 seine Ruhe. Ich fass es nicht." Und so gingen sie denn in ihre Häuser zurück und ließen Maria und Joseph mit dem Kindlein zurück, weil es im Stall so viel idyllischer war..

Mittwoch, 27. Januar 2010

Das schlecht recherchierte Lied

Das schöne am Kindergroßziehen, nee Quatsch. Eines der interessanten Dinge am Kindergroßziehen ist, dass man altvertraute Dinge auf ihre dings, na, Ursprünge quasi zurückverfolgt, manchmal. So zum Beispiel Kinderlieder. Die sind ja nicht immer ursprünglich Kinderlieder gewesen. Englischsprechende z.B. können auf einen reichen Schatz an Piratenliedern, Arbeiterliedern oder Hinrichtungsliedern zurückgreifen, wenn Sie ihre Kinder in den Schlaf singen möchten.

Wir hingegen haben vor allem ein Fastnachtslied:


Du warst doch net schuld? Na, die Stadt vielleicht nicht. Euch allen einen fröhlichen Befreiungstag. Ist ja eigentlich was zum Feiern.

Donnerstag, 20. August 2009

Das schlecht recherchierte Lied

Und kommt mir jetzt nicht Paralleluniversen, Tierparks oder sonst was! Fredrik Vahle schreibt eigentlich ganz nette Kinderlieder (doch, das gibt es!), aber diese Zeilen aus Pitsch Patsch Pinguin nerven:



9. Horch, wer brummt denn da?
Das muß ein Eisbär sein!
Und sie ducken sich
Und machen sich ganz klein.

10. Und der Eisbär tappt
Schon heran, o Schreck!
Pitsch, patsch, Pinguin,
Da watscheln alle weg.

Da ist es ja kein Wunder, dass wir so schlecht bei Pisa da stehen! Man kann doch auch "Polarforscher" nehmen, die haben die früher sogar verfeuert, wenn ich mich nicht irre (hihihihi).

So, ich bin auf eure Rechtfertigungen gespannt!

Dienstag, 21. Juli 2009

Das schlecht recherchierte Lied



Ich packe meine Sachen und bin raus mein Kind,
Thomas D. ist auf der Reise und hat Rückenwind.
Ich sag es euch auf diese Weise, alle die am suchen sind,
Sind mit mir auf der Reise, haben Rückenwind.
Und wir fahrn auch über Wasser wenn da Brücken sind,
Ey, der Typ hat ne Meise aber Rückenwind.
Wir betreten neue Wege dir wir noch nicht hatten,
Und ich nehm euch mit 'n Stück in meinem Windschatten.

Wenn er Rückenwind hat (und er hat Rückenwind), dann kommt der Wind von hinten. Der Windschatten ist also vor ihm bzw. hat er eigentlich gar keinen, weil der Wind ihn ja vor sich her schiebt (denn er hat ja Rückenwind), mithin genauso schnell ist wie er. Naja, vielleicht auch nicht. Wenn er also wen mitnimmt, im Rückenwindschatten, schiebt er sie bestenfalls vor sich her. Ob man das möchte?

Montag, 11. Mai 2009

Das schlecht recherchierte Lied

Wir lagen schon vierzehn Tage
Und kein Wind in die Segel uns pfiff.
Der Durst war die größte Plage,
Da liefen wir auf ein Riff.



Mann, so ein Pech aber auch. Da liegt man vor Anker und macht keine Fahrt, weil kein Wind da ist. Mist. Und dann, obwohl sie ja still da liegen, laufen sie auch noch auf ein Riff.

Zumindest hatten sie keinen Achter im Vorderreifen.

Mittwoch, 12. April 2006

Tschingderassabumm

In dem Musikkreis, in den ich (bzw. die Kindsmutter) mit meiner Tochter gehe, wird bisweilen folgendes Lied gesungen:

Ich habe eine Ziehharmonika,
eine Tschingderassa, Tschingderassa bum bum bum.
Sie spielt uns immer wieder
die allerschönsten Lieder.
Ich habe eine Ziehharmonika,
eine Tschingderassa, Tschingderassa bum bum bum.

Das ist so nicht ganz korrekt. Ich gebe ja durchaus zu, mich nicht immer vollständig in unserer Wohnung auszukennen – letzte Woche fand ich einen Aufkleber, der besagt, dass in diesem Behälter (auf dem er zu kleben kommen könnte) sich stark infektiöse Güter befinden. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wozu wir so etwas benötigen. Immerhin weiß ich aber nun, dass wir solch einen Aufkleber haben, wenn ich mal brauchen sollte. Auch wenn ich nicht weiß, wo ich ihn ablegen soll, seit ich meine Aufkleberschublade mit 15 auflöste (ein Fehler, wie ich nun leidvoll eingestehen muss!).

Man kann mir also durchaus nachsagen, ich wüsste nicht über alle in unserem Haushalt befindlichen Dinge Bescheid, aber ich denke doch, das Vorhandensein einer Ziehharmonika wäre mir nicht unverborgen geblieben. Zumal genannte Ziehharmonika ja auch häufig zum Einsatz kommen soll. Ich kann mir das nur so erklären (da ich keinen Grund dafür sehe, warum die Leiterin der Gesangsrunde, die ich als durchaus anständig und integer kennen und schätzen gelernt habe, wissentlich die Unwahrheit sagen und Falschaussagen über unseren Haushalt in Umlauf bringen sollte), dass sich in meiner Abwesenheit Ereignisse ereignen, von denen ich nicht in Kenntnis gesetzt werde. Denn das „Ich“, das da singt, ist ja jeweils der (meist die) Singende oder vielmehr, stellvertreten durch mich, das Kind, das ja noch nicht singen kann und vor unseren Bäuchen hin und her getragen und geschunkelt wird. 

Wie dem auch sei, schon statistisch ist das wohl kaum korrekt, um so weniger in der grob pauschalisierenden Behauptung, jeder von uns hätte eine Ziehharmonika.

Noch dazu, und hier verlässt das Lied vollends den Boden der als gesichert betrachtbaren Tatsachen, eine Ziehharmonika, die „tschingderassabum“ macht (die Theorie, dass es sich um eine Ziehharmonika der Marke „Tschingderassabum“ handeln solle, halte ich für grotesk). 

Ziehharmonikas machen nicht „tschingderassabum“. Das ist das Geräusch, das nach allgemein (allgemein? offensichtlich nicht) akzeptierter Konvention Blaskapellen zu machen pflegen. Ziehharmonikas machen so etwas wie „schnäh-fnöhr“. 

Nun sehe ich ein, dass die Behauptung, ich (respektive meine Tochter) hätte eine Blaskapelle, die uns immer wieder die allerschönsten Lieder spiele, zwar mit Hinblick auf die behauptete Eigeninitiative der Blaskapelle plausibler scheint (immerhin ist diese ja in der Lage, selbst zu spielen, im Gegensatz beispielsweise zu einem Klavier, oder einer Harmonika (ganz zu schweigen von einer Ziehharmonika)), jedoch als absolut aus der Luft gegriffen erscheinen muss und rein statistisch vollkommen jeder Grundlage entbehrt. Tatsächlich sind wesentlich mehr Bundesbürger im Besitz einer Ziehharmonika als einer Blaskapelle, soweit hat das Lied die Zusammenhänge schon ganz richtig erfasst.

Es müsste also heißen:

Ich habe eine Ziehharmonika,
eine Schnäh-fnöhr, Schnäh-fnöhr, Schnäh-fnöhr fnöhr.

Weil sich das aber relativ scheiße singt, opfert das Lied ein zweites Mal Genauigkeit und Wahrheitstreue und fügt der an sich schon dreisten Behauptung, ich besäße eine Ziehharmonika noch – die Tatsachen vollends verdrehend – hinzu, diese Ziehharmonika mache Geräusche wie eine Blaskapelle und sei (Gipfel der Unverschämtheit!) obendrein noch in der Lage, Lieder selbständig abzuspielen. 

Es ist mir unbegreiflich, wie man solch offensichtlich falsche Aussagen wiederholt in der Öffentlichkeit tätigen kann, und ich verstehe auch nicht, warum wir das immer wieder mit fröhlichen Mienen tun. Es ist ja nicht so, dass dort verantwortungsloses und oder zwielichtiges Gesindel versammelt wäre. Eigentlich sind es eher recht respektable Persönlichkeiten - manche von uns dürfen sogar wählen!

Aber schließlich haben wir das Geld für den Kurs schon voll bezahlt. Und irgendwie hat niemand den Mut, diesem Tun Einhalt zu gebieten, hinzugehen und zu sagen:

Haltet ein!
Seht Ihr nicht die Falschheit unseres Tuns? 
Gehet hin und bestimmet basisdemokratisch im Stuhlkreis, was wir denn sonst singen könnten!

Das aber tat natürlich niemand. War ja auch nicht so wichtig. Aber trotzdem bin ich seitdem immer ganz still und nachdenklich, wenn die Rede darauf kommt, wie ich mich unter Honecker oder Hitler verhalten hätte.