Donnerstag, 8. November 2007

Was man alles nicht mehr kann

Es gibt einige Dinge, die einem plötzlich nicht mehr vergönnt sind, wenn man ein Kind bekommt. Häufig Bloggen zum Beispiel. Viel und lange abends Ausgehen wird auch häufig genannt. Oder den Tatort sehen, selbst wenn das Kind schläft, weil es um tote Kinder geht (das geht überhaupt nicht). Auch auf dem Sofa liegen ist einfach nicht mehr drin.

Das heißt, natürlich kann man sich hinlegen, und ein wenig in die Luft starren, aber das geht nicht lange gut. Schnell kommt der Nachwuchs angewackelt.

- Was machst du da?
- Och, ich lieg hier nur so ein bißchen.
- Komm mal mit, wir müssen mal e-ben einkaufen gehen. Du trägst das da.

"Das da" sind 3 Puzzleteile, eine leere Tasse, ein Kuscheltier, zwei Bücher, die Kappe von einem Nasenspray und ein Legostein (grün). "Das da" muss überall hin mit.

- Du trägst das da und ich schieb den Puppenwagen.
- Umpf. Ok.
- So, hier lang. Bleib mal da. Ich muss mal eben schnell arbeiten gehen. Gib mir mal das da. So. Tschüs.

Ich nehme nie meine Puzzleteilesammlung mit auf die Arbeit. Ich komm auch nie nach einer halben Minute schon wieder zurück. Irgendwas mach ich falsch.

- Bist du traurig, weil ich auf die Arbeit muss?
- Äh, ja. Bleib bitte hier.
- Das geht aber nicht, weil ich auf die Arbeit muss. Tschüs.
- Schade.

So ist das. Eine andere Sache, die man nicht mehr kann, ist "etwas wieder finden". Das geht einfach nicht.

- Was ist das da?
- Das ist ein USB-Stick, den brauch die Mama ganz dringend, weil ...
- Gib mal, ich muss mal e-ben gucken, was das ist.
- Ok, aber pass gut auf.

Sicherheitshalber passt man dann noch selber mit auf, aber wie genau man dem Kind auch auf die Finger kuckt, irgendwann ist es verschwunden mit einer Geschwindigkeit, die David Copperfield vor Neid erblassen ließe (wenn er nicht gerade anderes zu tun hätte).
Bloß bringt Herr Copperfield das dann auch irgendwann wieder zurück. Aber unser Kind? Nix, nada. Neulich haben wir 13 Tage lang den Toilettenrollenhalter gesucht, den das Kind mal e-ben haben musste, zum Pizza backen.

Helmut Kohl hat deswegen schon vorgeschlagen, diese einmalige Fähigkeit von Kindern nutzbar zu machen, um Atommüll sicher zu entsorgen. Man steckt einfach mehrere Zweijährige in Strahlenschutzanzüge:

- Das hier ist gaanz wichtig, das braucht der Onkel Bundeskanzler ganz dringend und ihr müsst gut drauf aufpassen.
- Gib mir das mal, ich muss mal e-ben kucken, wie das geht.

Und weg ist das Zeug für immer.
Feldversuche bei Düsseldorf sind auch positiv verlaufen. Das Projekt ist dann irgendwann gescheitert. Man konnte die Strahlenschutzanzüge nicht mehr finden.

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