Freitag, 2. Juli 2010

Unerhört

Und wieder sagt niemand was. Dabei ist das doch bemerkenswert, und wäre vor Jahren noch irgendwie außergewöhnlich gewesen. Aber jetzt fällt das schon keinem mehr auf.

Und, das muss man ja mal sagen, es waren wieder die Konservativen. Die Linken hätten das nicht tun können.

Also (trommelwirbel): Deutschland hat jetzt, neben einer weiblichen Regierungsführung und einem bekennend homosexuellen Vizekanzler, auch noch einen Ministerpräsidenten mit Migrationshintergrund.

Gut, der ist englisch, und dafür haben die ja auch eine Königin mit deutschem Migrationshintergrund. So passt dann alles.

Nee, natürlich nicht. Erstens hat der natürlich einen schottischen Migrationshintergrund (peinlich, peinlich, aber das mit der Königin stimmt ja trotzdem) und zweitens fällt mir nicht mehr ein.

Und dass die Argentinier die Deutschen rausschmeißen, ist mir schon fast wieder sympathisch. Obwohl, wäre ich Argentinier, hörte ich, was alles niveauloses über Deutsche gesagt würde. Ist also auch egal.

Freitag, 25. Juni 2010

Mal sehen

Also, die Untersuchung hat Folgendes ergeben:
  1. Real- und Gymnasialschüler der neunten Klasse sind in Deutsch und Englisch besser, wenn sie aus Bayern und Baddewürddeberg kommen, als wenn sie aus dem Norden kommen
  2. Die schulische Leistung ist immer noch stark vom Elternhaus abhängig
  3. Hauptschüler wurden nicht getestet
  4. Bayern und Baddewürddeberg sind nicht gut darin, Kinder bildungsferner Schichten zu fördern
Nun Klopfen sich natürlich alle Konservativen Bayerns und Baddewürddebergs auf die Schultern und sagen, wie toll sie sind.

Kann mal wenigstens irgendjemand sagen, dass der Unterschied in den Leistungen ja wohl nur daher rührt, dass Bayern und Baddewürddeberg einzig und allein darin gut sind, Schülern bildungsferner Schichten keine Chancen zu geben und sie früh genug auszusieben, so dass sie in der Studie gar nicht erst vorkommen?

Dienstag, 13. April 2010

Die Sache mit dem Missbrauch

Nachts, wenn die Tante nicht schlafen kann (und das Nichtschlafen tut sie ziemlich oft, weil sie öfter mal krank ist), denkt sie manchmal nach. Da sie in letzter Zeit oft nicht schlafen konnte, hat sie auch viel nachgedacht, so viel, dass es für mehrere Einträge reicht.

Was dabei herausgekommen ist, ist die Idee, dass sich bei dem Umgang mit sexuellen Missbräuchen seitens der katholischen Kirche eine unglückliche Mischung zweier Kernelemente des Katholizismus zur Wirkung bringt: einerseits der Gedanke der Vergebung, andererseits das merkwürdige Verhältnis zur Sexualität. Da der Sex mehr zieht, fangen wir heute mit der Vergebung an.

Die großartige Leistung des Jesus von Nazareth bestand darin, einen Ausweg aus der Spirale von von Gewalt und Gegengewalt, Rache und Gegenrache zu finden: die Vergebung. Er fand damit einen Ausweg aus der Sorte von Streitigkeiten, die meist aus Nichtigkeiten erwachsen und zu lang gehegten und liebgewordenen blutigen Stammesfehden eskalieren können.

Ein Beispiel aus dem Kindergarten: Paul geht an Nina vorbei, stößt sie unabsichtlich an, Nina verrutscht der Buntstift und das Bild ist versaut. Nina ist sauer und haut Paul. Damit ist für sie Gerechtigkeit hergestellt. Wenn nun Paul, der sich ja keiner Schuld bewusst ist, seinerseits zurückhaut, kommt die Sache richtig in Schwung und hört wahrscheinlich auch gar nicht mehr auf.

Viele Konflikte zwischen Erwachsenen sind davon nicht prinzipiell verschieden, nur haben Erwachsene gelernt, fester zuzuhauen. Zwar gibt es auch echte Verteilungskonflikte, wenn etwa das Land nicht für alle reicht, aber ein Punkt ist immer da: alle glauben sich im Recht.

Jesus Lösung bestand nun darin, für einen Verzicht auf de Rache zu werben, in dem er hervor hebt, dass wir alle Fehler haben. Diese Lösung ist auch deswegen so genial, weil sie derjenigen, die sich als Opfer fühlt, noch eine andere Lösung anbietet, als zurückzuhauen: Sie muss ihr Los nicht ertragen, sondern kann aktiv dem anderen vergeben und sich dabei auch gleich unglaublich gut fühlen. Die Klügere gibt nach.

Der einzige andere Ausweg aus der Spirale ist übrigens noch besser: eine unabhängige dritte Partei anzurufen, die fähig und gewillt ist, ihr Urteil, dass alle akzeptieren, auch durchzusetzen. Dieser Weg hat den Nachteil, dass er in den meisten Gesellschaften und Konflikte nicht zugänglich ist. Er hat darüber hinaus in den Augen der Kirche den Nachteil, dass er nicht von Jesus erfunden wurde: er ist das Konkurrenzprodukt.

Die Nachfolger Christi taten nun den wirtschaftlich genialen Schritt, dass ganze so zu verfeinern, dass die Vergebung auch von Gott vorgenommen werden kann, bestätigt durch sein Bodenpersonal, auf Wunsch auch schriftlich. Durch die Konzentration auf das Seelenheil gelangt die Konfliktbeendung aus dem Blick: wichtig ist das Gott vergibt, nicht, dass die Parteien sich vertragen. Es ist dieser Aspekt, durch den sich das Christentum so schön als Staatsreligion eignete: so lange man einmal im Monat dem Priester alles erzählt, kann man ansonsten ruhig die völkerrechtliche Sau rauslassen. Wir sind ohnehin alle Sünder und gar nicht fähig, nur gut zu handeln - da kommt es auf 100 000 Tote mehr oder weniger gar nicht an.

Der Protestantismus lässt die Absolution durch den Priester übrigens nicht zu: so muss sich Frau Käßmann öffentlich kasteien und selbst zerfleischen, während die katholischen Bischöfe es schon für ausreichend halten, wenn sie jeder eine Kerze anzünden.

Durch die Konzentration auf den Täter gerät allerdings auch das Leid des Opfers in den Hintergrund: es ist wichtiger, dass der arme Sünder nicht ins Fegefeuer muss (bzw. musste, die Vorhölle ist ja nun abgeschafft), als dass dem Opfer Gerechtigkeit widerfährt. Das passiert dann ohnehin im Himmel. Überhaupt ist die Erde ja eh ein Jammertal und das Leid allgegenwärtig und Leiden aushalten ja auch eigentlich supergut, wenn man dabei nur fleißig an Gott glaubt, das gibt dann ordentlich Märtyrerbonuspunkte, die man nachher beim Jüngsten Gericht eintauschen kann.

Und überhaupt ist körperliche Gewalt in katholischen Einrichtungen wahrscheinlich auch genau dass, was katholische Hochwürdenträger selber als Jungen in katholischen Einrichtungen erlebt haben - und das hat ihnen schließlich auch nicht geschadet.

So weit bis hierhin. Beim nächsten Mal: warum Jesus angeblich nicht gepimpert hat.

Freitag, 26. März 2010

Warum ich wirklich verweigert habe

Ich glaube, jetzt ist es sicher. Wenn sie den Wehrdienst nun auf 6 Monate verkürzen wollen, weil sie gar nicht mehr wissen, was sie mit den Leuten überhaupt anfangen sollen, kann ich nun auch mit der Wahrheit rausrücken.

Natürlich wollte ich niemanden töten, will ich ja auch immer noch nicht. Und ich glaube auch immer noch, dass die Konflikte dieser Welt besser anders gelöst werden. Und ja, ich denke dass Soldaten Mörder sind.

Aber vor allen Dingen war es damals meine feste Überzeugung, dass Soldaten vor allen Dingen meist abgestumpfte Dumpfbacken sind, mit denen ich nicht über ein Jahr lang in ein Zimmer gequetscht werden möchte.

Ich habe zu viel Zeit in reinen Männerrunden verbracht um übersehen zu haben, dass eine Sorte Männer gibt, die alle Welt wissen lassen möchte, dass
  • sie einen Penis haben,
  • auch sie attraktive Frauen attraktiv finden und
  • Drogen eine Auswirkung auch auf ihr Bewusstsein haben.
Natürlich gibt es auch viele andere Männer, Männer, die eher zurückhaltend sind. Aber zurückhaltende Männer sind eher ... zurückhaltend, was die anderen nutzen, um pointiert weiterzuquatschen. Und die zurückhaltenden haben sich entweder gleich ganz gedrückt oder verweigert, und finden Waffen auch nicht gut.

Darum habe ich den Wehrdienst verweigert. Aber man kann den Leuten vom Reichswehrersatzamt ja schlecht sagen: Ich habe keine Lust, mich mit Leuten wie Ihnen abzugeben. Wenn Sie eine Kompanie für eher schüchterne Leute hätten, die gerne Jazz hören, wär' ich eventuell dabei.

Ja, ich kenne den ganzen Kram von Bürger in Uniform, aber ich hab mir gedacht, in der Behindertenbetreuung werde ich auch gebraucht, und das war auch sehr schön da.

Und ja, viele Frauen reden auch ganz unglaublich viel Quark.

Donnerstag, 18. März 2010

Mein-Sager

Der Sohn ist ja vor kurzem 2 geworden. Ein großartiges Alter, alles in allem. Wobei eigentlich das halbe Jahr davor noch besser ist. Oder sagen wir, das viertel Jahr davor. Denn mit eindreiviertel sind Kinder unheimlich niedlich (Kindchenschema noch voll intakt!), schlafen sehr viel besser als vorher (also zumindest für unsere gilt das) und trotzen noch nicht ganz so schlimm wie mit zwei.
Besagter unserer Sohn zum Beispiel hat inzwischen dezidierte Vorstellungen davon, welchen "wufa" (Pullover) er anziehen möchte und welchen nicht. Letzteren muss er dann "meißen", also vom Wickeltisch schmeißen. Was bei wufas ja noch nicht so ein Problem ist, die gehen davon nicht kaputt, brechen niemandem den Zeh und machen beim Aufprall keine Sauerei. Aber auch alles andere, was irgendwie doof ist, muss "missen" werden. Nicht vollständig befüllte Milchflaschen zum Beispiel, das falsche Auto, Teller mit dem falschen Essen drauf - Sie verstehen, was ich meine.
Eigener Willen also. Ist ja auch an sich eine feine Sache, denn in unserer Kultur wiegt ja das Moment des Individualismus recht schwer, Selbstbestimmung und die Verfolgung der eigenen Interessen liegen hoch im Kurs und sind auch im Kindesalter durchaus schon erwünscht. Und ich finde das grundsätzlich auch gut. Einige meiner besten Freunde haben einen eigenen Willen. Aber die äußern den verbal, nicht nur mit Schreien und meißen.
Seit kurzem hat der Kleine außerdem das Wort "meins" entdeckt. Alles ist "meins". Erinnern Sie sich an die Möwen in dem Film "Findet Nemo"? An die denke ich zurzeit oft. Das ging mir bei der Tochter seinerzeit (ihrerzeit) schon so, die wollte sogar fremde Menschen vom Bürgersteig verscheuchen, denn schließlich war das "mein bügadeig". Und als einmal jemand von Europa sprach, kam natürlich wie aus der Pistole geschossen: "mein opa".
Andererseits bin ich natürlich schwer stolz und gerührt, wenn die Süßen mich sofort schnappen und "meine Mama" rufen, sobald jemand Fremdes das Wort an mich richtet. "Meine Kinder!" denke ich dann.

Mittwoch, 17. März 2010

Ge-Trennt-Setter

Erst mal fünf Euro in die Wortspielkasse für diesen Kalauer. Ok. Aber das ist ein echtes Coming-Out schon wert, finde ich. Also aufgepasst: Ich bin heterosexuell! Ja ja, schon klar, wusstet Ihr alle. Geht aber noch weiter: Ich schlafe nur ganz selten mit meinem Mann in einem Bett.

Harter Tobak, was? Jetzt will ich endlich das Schweigen brechen und von einer Realität berichten, die wir laut dem Magazin der Süddeutschen Zeitung vom letzten Freitag mit vielen anderen Ehepaaren teilen. Mein Gatte und ich liegen nämlich voll im Trend, müsst Ihr wissen, einem Trend natürlich aus Amerika. Wobei – nicht das Getrennt-Schlafen kommt aus Amerika, sondern das sich offen dazu Bekennen. Angeblich fürchten die meisten Paare, dass man aus ihrer Schlafsituation negative Schlüsse auf den Stand ihrer Beziehung ziehen werde.

Das kenne ich zum Teil sogar aus eigener Erfahrung. Als wir vor einigen Jahren in unsere erste gemeinsame Wohnung zogen und ankündigten, neben dem Wohnzimmer zwei Arbeits-Schlafzimmer einzurichten, meinte ein Freund, dann könnten wir ja gleich in unseren WGs wohnen bleiben.

An alle Schlaf-Konservativen: Wir haben uns immer noch sehr lieb, die Tante Jensen und ich. Wir haben es sogar geschafft, zwei Kinder in die Welt zu setzen, trotz getrennter Betten. Und wenn wir tatsächlich demnächst mal ein Wochenende ohne Kinder verreisen sollten, schlafen wir auch ganz bestimmt im selben Bett. Wenn auch mit zwei Decken.

Freitag, 5. März 2010

Zerrüttgerte Moral

Da hat also die CDU an Unternehmer geschrieben, dass sie für Geld exklusive tolle Einzelgespräche mit Jürgen Rüttgers führen können. Und Jürgen Rüttgers sagt daraufhin folgendes:
  • Erstens,
  • und überhaupt,
  • nichts gewusst und
  • haben auch gar keine Gespräche stattgefunden.
Was ja wohl nur folgendes bedeuten kann:
Deutsche Unternehmer sind nicht bereit, für Einzelgespräche mit Jürgen Rüttgers Geld aus der Firmenkasse rauszurücken.
Das zeichnet doch ein sehr positives Bild für die deutschen Unternehmer!

Themenwechsel. Die Tante muss gestehen, dass bei all dem Unglück in Chile besonders in und um Concepcíon ihr Gehirn leider nicht zu dem Leid vordringen kann. Ihr Gehirn ist nämlich die ganze Zeit mit der Überlegung beschäftigt, was Concepcíon doch für ein Scheißname für eine Stadt ist. Erdbeben in «Empfängnis»??? Da möchten wir uns lieber nicht zu äußern.

A propos Unglücke: Die ESA hat jetzt rausgefunden, dass der Grund dafür, dass jede Woche 2 große Schiffe spurlos verschwinden (ja, ehrlich) außergewöhnliche, bis zu 30 m hohe Wellen auf ansonsten stiller See sind. Gestern noch eine Seefahrerlegende, heute schon auf ihrer Showbühne.

Nachtrag vom 26.01.2011: Und jetzt auch in ihrer Buchandlung.

So, mal wieder was geschrieben. Nicht viel los sonst.