Donnerstag, 10. April 2008

Der Michel ...

... ist jetzt, wenn ich das aus der Ferne gesehen habe, mit der Lotte zusammen!

Nein, so bringt das nix. (Außerdem weiß ich ja gar nicht sicher, ob sie wirklich zusammen sind, weil ich ja nur vom Spielplatz aus die beiden gesehen habe, und da konnte ich nicht weg, weil ich gerade schon jemanden anders begrüßte, den ich da zufällig getroffen hatte) (und eigentlich versuchte, mit den Gerhardts zu reden, mit denen wir da eigentlich verabredet waren) (alle, während meine Tochter dringend versuchte, mich zum Spielen zu bringen).
Noch mal:

Die kleine Schwester von Nina ist jetzt mit dem Exmitbewohner von meinem Bruder zusammen!

Hm, auch nicht. Das Problem ist, dass keiner außer mir die beiden schon so lange kennt. Ich bin der einzige, für den das eine "Was?!! Die beiden?"-Nachricht ist. Denn ich kenne beide aus ganz unterschiedlichen Gruppen und Städten. Total verrückt. Aber nur für mich. Na, und für die beiden eben. Wir von Tante Jensen wünschen von dieser Stelle aus alles Gute.

Dienstag, 1. April 2008

Das Übliche

Wie war denn die Geburt? fragen immer noch Menschen, die man auf der Straße trifft. Nun ja, wie so eine Geburt so ist ...

Zunächst mal sehr anstrengend für die Mutter. Diesmal allerdings besser wegen Unterwassergeburt. Und laut, aber das sagte ich bereits. Als Vater hat man da ja nicht so viel zu tun, nur rumzusitzen, aufmunternde Worte zu sprechen und sich komplett nutzlos zu fühlen. Die Mutter meinte, das wäre schon gut so gewesen, aber ich persönlich hätte doch gern irgendwas sinnvolles getan. So nach ein paar Stunden Aufmuntern und Gut-zureden wird der angeborene Instinkt übermächtig. Die Gene befohlen mir:
Stehe auf, gehe hin und besorge Handtücher und heißes Wasser!
Das habe ich dann aber natürlich nicht gemacht, war ja alles schon da. Das wäre auch nicht gut gegangen, so übermüdet, wie man dann ist. Vermutlich haben sich deswegen auch Generationen von werdenden Vätern dabei am kochenden Wasser irgendetwas verbrannt, wovon aber nie jemand spricht. Auch, weil neben "Ich habe dich neun Monate mit mir rumgetragen und die Geburt war tierisch schmerzhaft!" der väterliche Zusatz "Und ich hab mir beim Desinfizieren der Schere ganz übel die Hände verbrannt!" irgendwie überhaupt keinen Eindruck schindet.

Mittwoch, 26. März 2008

Ei, die Wäsch


Mittlerweile kann man sich ja gut mit allem arrangieren. Der Haushalt läuft programmiert wie ein Uhrwerk, ich kann mich auf die wesentlichen Dinge konzentrieren und lerne die tiefe innere Befriedigung kennen, die daraus erwächst, dass man noch genug Schmutzwäsche gefunden hat, um die Waschmaschine voll zu machen.
Überhaupt die Wäsche. Daran, dass es nicht nur noch die Sachen von Mutter, Vater und Kind gibt, sondern plötzlich die Sachen von 2 Kindern erkennt man, dass man jetzt eine richtige Familie ist. Die ganz schön viel Dreck macht - jeden Tag eine Wäsche, eine Spülmaschine, dafür sorgen, dass es immer genug Leibchen und Schlafsäcke zu Verpinkeln gibt, ist eine gehörige organisatorische Leistung, die in ihrer Komplexität durchaus an die unter dem Namen Operation Dragoon bekannte Invasion der Alliierten in Südfrankreich heranreicht. Wobei man sagen muss, dass die amerikanischen Soldaten alle dasselbe anhatten und nur in seltenen Notsituationen ihre Schlafsäcke verkackten.
Noch schnell der aktuelle Punktestand (Mutter / Vater / große Schwester):

Popel gefischt: 3 / 1 / 0
Griesknötchen geknibbelt: 2 / 4 / 0
Schokolade an Ostern gefunden (in kg): 0,1 / 0,1 / 3,7

So tun wie alle das, was unseren individuellen Neigungen und Talenten am besten entspricht.

Mittwoch, 12. März 2008

Eltern sein

So, das Kind ist nun da. Und überraschender Weise hat man ja doch Routine entwickelt. Man kommt zwar wie erwartet immer noch zu nichts und erst nach 10 Tagen dazu, alle zu informieren, aber immerhin ist die Küche geputzt.
In der Nacht auf Sonntag, den 2. März, war es soweit: um 20.30 setzten die Wehen ein, und um 0.22 Uhr war Emil Johann da. Wir waren auch schon mal langsamer. Auch beim zweiten Mal ist alles ganz aufregend, und allmählich bekomme ich auch als Mann ein Gefühl dafür, was eine Mutter bei der Geburt empfindet: Es ist ein einschneidendes Erlebnis, in dem sie sich ganz ihrer Weiblichkeit bewusst wird und absolut intensiv erlebt, wie sie dem Kind das Leben schenkt. Kurz: es tut Scheiße weh. Die Mutter meinte, es hätte nicht so weh getan, wie beim ersten Mal, ich kann nur sagen, sie hat genau so laut geschrieen. Aber nicht so lang. Der Sohn war gar nicht so dick, wie der Bauch vermuten ließ, sondern mit 3.370 g, 52 cm Länge und 36,5 cm Kopfumfang ziemlich genau so normal wie seine Schwester. Und er nimmt auch schon wieder zu.
Seit Mittwoch ist das Kind zu Hause, Mutter auch, heute will sie zum ersten Mal vor die Tür gehen. Das Kind ist natürlich total süß und schläft tagsüber auch schon durch. Nachts leider noch nicht, da arbeiten wir dran. Aber das Erstgeborene geht ja vormittags in den Kindergarten, da kann man dann schlafen.
Die Erstgeborene ist sich ihrerseits noch nicht so sicher, was sie vom Bruder halten soll - mal ist sie ganz Puppenmutti und große Swester, mal soll er weg, weil Mama und Papa sich nicht so um sie kümmern wie früher und man mit dem Kleinen auch noch nichts anfangen kann. Immerhin hat sie jetzt das Schnullern entdeckt.
So, jetzt wissen alle Bescheid, und ich kann meinen verbleibenden Urlaub dazu nutzen, die Anträge zu bearbeiten. Juhu.

Freitag, 29. Februar 2008

Olympia ade (mit Kommentaren)

Ein schwerer Elch ist an uns vorüber gegangen - das Kind kommt nicht am 29. Februar auf die Welt.

"Wieso, was ist damit?" fragten komischerweise alle, denen wir davon erzählten. Als wären Schalttage was Alltägliches.
"Ach stimmt ja, ist ja Schaltjahr." Dabei kann man doch gar nicht vergessen, dass wir gerade ein Schaltjahr haben. Schaltjahre sind immer dann, wenn Fußballeuropameisterschaft ist. Aber natürlich erst seit Kalenderreform unter Johannes Paul Breitner.
Eingeführt wurde das Schaltjar übrigens im Lausanner Konzil. In der Enzyklika Tre corneri unum elferi sunt aus dem selben Jahr war erstmals das Dreielferigkeitsprinzip formuliert worden, dem im selben Jahr die Einführung der Europameisterschaft folgte.
Durch einen merkwürdigen Zufall ist Schaltjahr auch immer dann, wenn Sommerolympiade ist. Dann kann man zusammen mit Tour de France 10 Wochen am Stück Top-Sport im öffentlich-rechtlichen Fernsehen sehen. Tour de France ist aber jedes Jahr. Allerdings fahren die abwechselnd im oder gegen den Uhrzeigersinn, vom Weltraum aus gesehen. Wenn man also wollte, könnte man sich merken, dass Olympiade immer dann ist, wenn die Tour de France zuerst in die Alpen und dann in die Pyrenäen führt.
Muss man jetzt aber auch nicht unbedingt.

Freitag, 22. Februar 2008

Spannung ...

Die Leute fragen wieder. Überall werde ich neugierig angeschaut. Na? Ist es noch nicht soweit?

Ich werde nämlich Vater. Dagegen hat Sebu allerdings schon eingewandt, ich sei doch schon Vater, könne das also nicht mehr werden. Das ist allerdings so nicht ganz korrekt: Vater ist der Komparativ (die Steigerungsform) des annähernd ausgestorbenen Adjektivs vat, das auf das mittelhochdeutsche bat zurückgeht, was so viel wie "müde, erschöpft, des Schlafes dringend bedürftig, aber auch glücklich" bedeutet. Und man kann durchaus noch vater sein, die Skala ist nach oben offen. Daher gibt es auch keinen Superlativ am vatesten.
Bei Mutter ist die Ethymologie noch leichter ersichtlich: es braucht tatsächlich eine Menge Mut, um das alles durchzuziehen (obwohl, es geht natürlich auch ohne Mut, aber das sei nicht empfohlen).

Nun, wie dem auch sei, ist es wirklich kurz davor. Die werdende Mutter ist mittlerweile so dick und schwer, dass sie eine schriftliche Sondergenehmigung der Unesco braucht, wenn sie den Breitengrad wechseln will (sonst kommt nämlich die Erdachse ins Schlingern). Und alle anderen sind sehr aufgeregt, wir aber nicht. Wir denken einfach immer schnell an was anderes.

Dienstag, 5. Februar 2008

Es gibt zwei Sorten von Menschen auf der Welt


Die einen finden Karneval super. Die anderen sind für Fasching. Wieder andere finden alles doof.
Am Karneval scheiden sich nicht nur die Geister, sondern auch die Kulturen. Während der Brasilianer an sich die Gelegenheit nutzt, sich mit winzigsten Tangas noch fastnackter (daher der Ausdruck) zu bekleiden als ohnehin schon, versteht der Schweizer unter ausgelassener Fröhlichkeit, auf alle Konventionen zu pfeifen und mit unmelodischem Pfeifen und Trommeln durch die Baseler Innenstadt zu ziehen. Die richtige Freude kommt dadurch auf, dass damit schon um 03 Uhr nachts angefangen wird, als ob der Schweizer/die Schweizerin nichts mehr wünschte, als endlich mal so richtig früh aufzustehen.
Die Deutschen hingegen verstehen unter ausgelassener Fröhlichkeit, wenn alle sich eine Uniform anziehen und sich möglichst zackig mit gereckten Armen begrüßen.
Nun zum Saarländer. Das einzige bekannte saarländische Fasnachtslied geht in der verbreitetsten Variante so:

S'is Fasenacht, s'is Fasenacht, die Kischelscher werre geback!
Eraus demit, eraus demit, mir stecke se in de Sack!
Unn wann mei Mudder kä Kischelscher macht, dann peif isch uff die Fasenacht!
S'is Fasenacht, s'is Fasenacht, die Kischelscher werre geback!

Das geschulte Auge und sein Ohr erkennen die Komposition anhand der Sonatenhauptsatzform (A A B A): Der erste Teil wird wiederholt, ein zweiter Teil kommt an dritter Stelle, bevor der erste Teil erneut leicht abgewandelt wiederholt wird. Die Stilform der Wiederholung wird ebenfalls auf textlicher wie auf melodischer Ebene durchgeführt, das Motiv des B-Teils erklingt in dessen zweiten Teil nur um eine Sekunde nach oben versetzt. Kurz: es recht schlicht.

Interessant ist im Lichte der obigen Überlegungen jedoch folgender Gedanke: Wenn es nix Gutes zu Essen gibt, dann lässt der Saarländer getrost den Dom in Köln, denn dann ist ihm auch Fasching komplett schnurz.

Ceterum censeo hauptsache gudd gess.