Montag, 29. August 2011

Das hier wird gerne genommen (2)

Wir erinnern uns: Kai ist doof. Seine Schwester verdient viel Geld mit der Verwaltung von SMS. Der namenlose Ich-Erzähler will auch absahnen und lässt sich von seinem alten Kumpel Bernhard in die Geheimnisse einweihen.

Zum Glück hatte Bernhard noch Essensvorräte und wir wärmten später mit Dosenravioli alte Zeiten aus der Fachschaft auf.

Ich suchte mir dann noch 20 Stück heraus, mit denen ich mal anfangen wollte. Der nächste Tag war ein Sonntag, so dass ich erst am übernächsten Tag mit der eigentlichen Arbeit beginnen konnte.

Eine Tomatenblüte.
Ein thematischer Zusammenhang mit dem Text konnte leider nicht hergestellt werden.

Ich stand früh auf, band mir meine Krawatte um und sorgte sogar dafür, dass ich keine Zahnpasta am Kragen hatte. Um kurz nach 9 war ich am Finanzamt. Es goss in Strömen. Vor dem Eingang war ein Pyramidenzelt aufgebaut, in dem eine 400 €-Kraft den Leuten erzählte, dass es nun keine Lohnsteuerkarten mehr gab. Der junge Mann sah nicht sehr zufrieden aus; zum gegebenen Zeitpunkt fragte auch niemand seine Dienstleistungen nach.

Ich schenkte ihm ein aufmunterndes Lächeln. Ich weiß, wie gut das tut – als Student habe ich mal monatelang in der Fußgängerzone Zeitungsabonnements an Tierschutzvereine verkauft. Damals war ich für jedes Lächeln dankbar.

Drinnen in der Empfangshalle schnappte ich mir dann ein paar Formulare. Bernhard hatte mir genau erklärt, wie das geht. „Naja, issn Haufen Papierkram, weißdu? Du trägs die Nummern da unn da ein, den Text hier und sons noch alles, was du weißt.“

Ich war nicht der einzige. Auf den Wartestühlen waren schon 6 andere dabei, fleißig „Anträge auf Rückverfolgung einer telefondienstlichen Kurznachricht ('SMS')“ zu stellen oder „Erhebungsbögen zur Statusfeststellung telefondienstlicher Kurznachrichten ('SMS') nach §341 FmGB“ auszufüllen. Ich setzte mich neben eine Frau ungefähr Mitte 30, Typ „Immer-noch-Hispanistikstudentin mit Haaren, die unten einfach so abgeschnitten sind“.

Anscheinend hatte jeder ein anderes System, um die SMS-Nachrichten zu organisieren: Die einen hatten sie in Leitz-Ordnern abgeheftet, einer anscheinend im Laptop abgespeichert. Einer hatte DIN A4-Bögen vollgeschrieben, die er in einer Alditüte aufhob. Bernhards hölzerner Karteikartenkasten, den er bei der Auflösung der Institutsbibliothek abgegriffen hatte, war zwar eher unpraktisch, sicherte mir aber auf jeden Fall einen der vorderen Plätze in der Rubrik „Schickheit“.

Das schien auch die eigentlich nicht vollkommen unhübsche Immer-noch-Hispanistikstudentin neben mir zu finden, die mich freundlich-unsicher anlächelte. Da ging was!

(Wirklich? Lesen Sie mehr!)

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