Mittwoch, 7. September 2011

Das hier wird gerne genommen (3)

Wir erinnern uns wieder: Kai ist immer noch doof, aber er hat einen guten Berufsrat. Der noch namenlose Erzähler wittert seine Chance, lässt sich von einem alten Studienkollegen einführen und rennt gleich am nächsten Montag zum Amt, wo er erst mal warten muss. Da trifft er eine junge Frau mit Haaren, die unten einfach so abgeschnitten sind. Die sagt jetzt:

„Neu hier?“


„Ja, du auch?“


„Nee, ich mach das schon seit fast 4 Jahren. Ich bin Svenja.“ Sie streckte mir ihre Hand hin.

„Warum fragst du mich dann, ob ich neu hier bin? Du müsstest du mich dann doch schon einmal gesehen haben, wenn ich nicht neu hier wäre.“ Tss. Frauen und Logik. „Ich bin Andy.“

Irgendetwas schien sie zu irritieren. Naja, egal, dranbleiben. „Und für welchen Anbieter arbeitest du?“ „Ich mach nur noch Privatkunden – ich hab bei Genion angefangen, dann war ich bei Mannesmann. Dann hab ich mich selbstständig gemacht und im Moment habe ich einen exklusiven Deal mit der CDU.“
Von links nach rechts: Buche, Buche, Buche, Buche, Buche,
Buche, Buche, Buche, Buche, Buche, Buche, Buche, Buche,
Buche, Buche, Buche, Linde, Buche, Buche, Buche, Buche.
„Ach was. Für die CDU hab ich bis letzte Woche auch noch gejobbt. Warum braucht denn die CDU eine eigene SMS-Wiederauffinderin?“

Sie gab mir ihre Karte: „Senior Short Message Recuperation Engineer. Die texten recht viel, und dann geht halt schon mal was verloren. Und durchaus mensajes mit sensiblen Daten oder zeitkritischen Inhalten.“ Sie sah sich um verschwörerisch um und beugte sich dann etwas näher zu mir herüber: „Letzte Woche musste ich innerhalb einer Stunde eine Message finden, in der die Meinung der CDU zum EU-Beitritt der Türkei stand.“ Sie lachte. „Ohne mich wüssten die jetzt nicht, ob sie dafür oder dagegen sind!“

„Aber die SMS hat doch wer geschrieben, der oder die wird das doch wissen!“

„'Die'!“ Sie lächelte über meine Naivität (machte mich das süß?). „No sir, eben nicht. Das ist sofort raus aus der short term memory.“
Ich versuchte, gleichzeitig zu lachen und beeindruckt zu wirken. Ich denke, es ist mir recht gut gelungen.

„Und deswegen bleibt dir keine Zeit mehr für dein Hispanistikstudium?“
„Jaaa ... aber das war eh nicht das richtige für mich. Portugal ist viel spannender. Aber ich hab keine Lust, deswegen noch mal von vorne anzufangen. Noch dazu, wenn es im job so gut läuft.“

In diesem Moment ging die Tür zum Archiv auf und wir standen auf, um mit der Arbeit zu beginnen. Sie machte sich mit einem hüftschwingenden „See ya!“ an die Zettelkästen, während ich mich erst mal bei der Aufsicht registrieren lassen musste.

Doch die Frau an der Aufsicht teilte mir mit, dass sie mich nicht registrieren könne: ich hatte keine Geburtsurkunde dabei. Also musste ich erst mal nach Hause, eine holen.

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