Mittwoch, 15. Februar 2012

Das hier wird gerne genommen (4)

Wir erinnern uns immer noch: Kai ist immer noch doof, aber er hat einen guten Tipp für die Arbeit: SMS-Verwalter. Der nun nicht mehr namenlose Erzähler Andy wittert seine Chance, lässt sich von einem alten Studienkollegen einführen und rennt gleich am nächsten Montag zum Amt, wo er erst mal warten muss. Da trifft er eine junge Frau mit Haaren, die unten einfach so abgeschnitten sind. Der setzt er auseinander, was für ein toller Macker er ist. Dann geht die Tür zur Anmeldung auf und er erfährt, dass er eine Geburtsurkunde braucht.

Das war natürlich zunächst ein herber Schlag ins Kontor. In der Straßenbahn smste ich Svenja mein Leid. Direkt kam die Antwort, mit der Frage, ob man sich denn mal sehe. Das ging noch ein paar mal unnötig hin und her, und wir verabredeten uns für das Abendessen bei ihr.
Sie wohnte im angesagtesten Stadtteil, teilsaniert. Mit extra viel Axe auf der Brust und einer Flasche Wein in der Hand stand ich pünktlich vor der Wohnungstür. Um ein Zeugnis meiner Kultiviertheit abzuliefern und gleichzeitig zu demonstrieren, wie gut ich zuhören kann, handelte es sich um eine Flasche Portugiesischen Weißherbst.
Blumen brauchte er nicht mitzubringen,
es waren bereits welche vorhanden.

Ich erhoffte mir viel von dem Abend – vor allem Insiderinformationen über das SMS-Geschäft, aber auch saftige Anekdoten aus der hohen Politik. Es sollte jedoch alles ganz anders kommen. Sie öffnete die Tür.
„Oh, Andy! Glad you could make it!“ Küsschen links, Küsschen rechts. Sie hatte ein bodenlanges rotes Abendkleid an und ein dezentes Parfum aufgelegt – Moschus und Pfirsichblüte, mit einer Kopfnote von Walnuss und einem winzigen Hauch Zander.
„Du hast wine mitgebracht! Komm rein!“ Ihre Wohnung war hübsch eingerichtet – Reste aus WG-Beständen neben drei, vier Designerteilen. Alte Filmplakate und ein Schwarzweißfoto von Paris. Fotos, auf denen sie und ihre Freundinnen auf Kommando total gut gelaunt in die Kamera lachen. Ein Kunstdruck, auf dem groß und in Gold die Unterschrift des Malers noch mal abgedruckt ist, damit alle sofort sehen, ob das Bild im Flur von Monet oder von Manet ist. Ich sah nach: Es war von Braque.

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