Mittwoch, 18. Juli 2012

Wie finde ich den Verlag für mein Kinderbuch?

Gar nicht. Oder, vorsichtig formuliert: Nur sehr schwer.

Warum?

Betrachten Sie mal die Fakten: Ein Verlag kriegt pro Jahr über 2000 Manuskripte zugeschickt. Auf der anderen Seite veröffentlichen sie nur zwischen 10 und 30 Bücher.

Warum eigentlich, die müssen mein Buch nur drucken. Verkaufen tut es sich dann schon von selbst.

Das soll auch der Verlagsvertreter zu den Buchhändlern sagen, wenn Sie nach Ihrem Titel gefragt werden?
"Ach das? Da soll ich gar nichts zu sagen, das verkauft sich von selbst." Tolle Idee (so'n Scheiß).
Bücher lektorieren, drucken, vertreiben, bewerben ist Arbeit. Und die teilt man sich ein.

Mir egal, mein Manuskript ist so toll, das wird bestimmt genommen.

Rocco der Rote, Anführer der Dinosaurierpiraten.
Flankengott und vorne wie hinten beidfüßiger
Dribbelkünstler. Leider mies bei Kopfbällen.
(zum Selberausmalen)
Dazu kann man Ihnen nur gratulieren. Ihnen und den anderen 2000 Einsendern, bei denen das auch so ist.

Naja, aber gemessen an dem, was so gedruckt wird, muss das ja irgendwie nix Dolles sein.

Das könnte man denken. Trotzdem konkurrieren Sie mit Manuskripten, die mehr für sich verbuchen können als Sie:
  1. Bücher von Autoren, die schon ein anderes Buch beim Verlag publiziert haben.
  2. Bücher, die schon in einem anderen Sprachraum erfolgreich waren, und hier nur noch übersetzt werden müssen.
  3. Bücher mit bekannten, kostenlosen Texten (Märchen! Sagen!), die nicht nur nur noch illustriert werden müssen, sondern auch einen Wiedererkennungsbonus beim Käufer haben.
    (Und Käufer sind oft Menschen, die nicht wissen, was sie schenken sollen und hoffen, damit nicht allzu sehr daneben zu liegen.)
Natürlich sind all die Bücher über Piraten-, Fußball-, Hexen-, Pferde-, Feenabenteuer nicht sonderlich originell. Und Ihr Buch über die Dinosaurierpiraten, die die Vampirpferde der Hexenfeen finden und aufziehen, ist da ein richtiger Knaller. Besonders das Fußballspiel am Ende, in dem es darum geht, wer die Pferde behalten darf. Dass das Spiel unentschieden endet, und so alle sich miteinander anfreunden, wird auch tausende Leser zu Tränen rühren. Möglicherweise. Letztlich ist es wie mit Aktien: Wie viele Risikopapiere haben Sie in Ihrem Portfolio? Ach, Sie haben gar keine Aktien, sondern investieren lieber in sichere Anlagen? Er, there's the rub.

Und was soll ich jetzt machen?

Sorgen Sie erst mal dafür, dass Sie das beste Buch schreiben, dass Sie schreiben können. Holen Sie sich jede Hilfe, die Sie kriegen können. Seien Sie dabei vorsichtig mit dem Lob von Freunden und Verwandtschaft! Wenn Sie nicht zufällig vom Fach sind, sind sie bestimmt zu wohlwollend und keine wirkliche Hilfe. (Das wahrscheinlichste aber ist, dass die das Buch unbedingt lesen wollen und dann gar nichts mehr dazu sagen.) Tummeln Sie sich in Autorenforen und Schreibgruppen.

Mein Buch ist schon super. Und jetzt?

Leila, die Schöne. Vampirpferde bestechen nicht
nur durch ihr kuscheligweiches Fell - sie sind auch
besonders reich an ungesättigten Fettsäuren.
Schicken Sie es an die Verlage, von denen Sie denken, dass sie passen würden. Sonst verärgern Sie nur die Verlage, die nicht an fußballspielenden Dinosaurierpiraten interessiert sind, sondern nur Bücher über Vampirpferde im Programm haben.

Na, ist doch egal, die würden mein Buch ja eh nicht nehmen.

Hm. Auch wieder wahr. Aber [sucht krampfhaft nach Argument] Sie können sich und denen Zeit und Arbeit sparen, wenn Sie's lassen. [Puh!]

Aber das geht doch unter.

Die gute Nachricht für Sie: Die Manuskripte werden wirklich gelesen.
(Es gibt auch eine schlechte Nachricht, die ist für die Lektoren: Die Manuskripte werden wirklich gelesen.)

Trotzdem sind manche Lektoren der Ansicht, Autoren müsse man finden, aufspüren, wie ein Trüffelschwein in der Provence. (Nein, ziehen Sie nicht in die Provence!) (Die Engländer haben die Preise total versaut.)
Das bedeutet aber nur so viel wie, dass Lektoren auch ein bisschen Spaß an der Arbeit haben wollen. Aber es kann nicht schaden, dafür zu sorgen, dass Sie gefunden werden.

Also wie mit den Gangsterbossen? Man findet nicht, ich werde gefunden?

Ja. Wenn nicht von Ihrem Verleger, dann bestimmt von den grausamen (aber irgendwie auch kuschelig-süßen) Vampirpferden.

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