Montag, 21. August 2006

Diskussion

Übrigens: Man ist nicht unbedingt ein unmoralischer Mensch, wenn man kein religiöser Mensch ist. Notwendig für eine Verständigung mit den Fundamentalisten aller Religionen dieser Welt wäre, dass diese akzeptieren, dass man moralisch denken und handeln kann, wenn man nicht ihren Glauben teilt und sogar, wenn man gar nicht glaubt. Darunter geht es nicht.

Nehmen wir den umgekehrten Fall: ein religiöser Mensch ist nicht unbedingt ein moralischer Mensch. Die Kreuzritter waren religiös und überzeugt, das Richtige zu tun. Die Katholiken, Evangelen, Protestanten, die Hexen verbrannten, und die, die Evangelen, Protestanten und Katholiken erschießen, waren und sind überzeugt, das Richtige zu tun. Die Hindus, die Moslems erschießen, finden das auch richtig klasse. Die Moslems, die zurück schießen, auch. Die israelischen Juden, die in Palästina siedeln und auf Palästinenser schießen, sind überzeugt, dass Richtige zu tun. Die Muslime, die auf die Israelis schießen, auch. Die Sunniten, die Schiiten in die Luft sprengen, waren und sind überzeugt, das Richtige zu tun. Die Schiiten, die Sunniten in die Luft sprengen, auch.

tolle Zwischenüberschrift, die den Text strukturiert

(Ich hab ja oft versucht, den Unterschied zwischen Schiiten und Sunniten zu kapieren. Aber das ist wie mit der Relativitätstheorie: das ist dann immer ganz spannend, und ich denk, ich hab's kapiert, aber nach fünf Minuten hab ich das vergessen. So weit ich mich erinnere, geht es darum, ob der Schwiegersohn Ali von Muhammad (Friede sei mit ihm) Recht hat oder nicht. Ist also quasi ein über die Jahrhunderte weiter gepflegter Familienstreit. Es geht aber natürlich nicht darum, dass wer was erbt (naja, vielleicht letzten Endes doch), sondern um die Koranauslegung. Das bedeutet, kommt mir grade, dass ein Mann mit Namen Ali möglicher Weise religiöse Sunniten als Eltern hat (oder eben Schiiten, ich kann es mir halt nicht merken). (Oder auch nicht: ist jeder Martin ein Protestant?) So weit ich weiß, ist Ali Mitgutsch z. B. nicht Moslem.)

Dabei sagt allen der jeweilige Gott: „Du sollst nicht töten!“ Ganz einfache Regel eigentlich. Vor allen Dingen klar und verständlich. Da steht nichts von einer Ausnahme für gute Menschen, die böse Menschen töten dürfen (ich hab extra nachgesehen). Da steht nur: „Du sollst nicht töten!“ Und damit sind erst mal die gemeint, die an diesen Gott glauben, es sind ja die Regeln für diejenigen, die diese Regeln lesen. Und die Ungläubigen lesen Sie ja nicht – können deswegen auch nicht gemeint sein.

Vielleicht töten die anderen ja deswegen, weil sie das nicht lesen? Nein. Ihr Gott sagt Ihnen das ja auch. Also gilt: Viele Leute hören nicht immer auf ihren Gott. Nämlich nur dann, wenn es Ihnen passt. Gott sagt ja auch: „Mein ist die Rache!“ Und nicht: „Euer ist die Rache!“ Das sollen wir alles Gott überlassen. Tun manche Menschen aber nicht. Obwohl doch Gott das alles viel besser überblicken kann, und dazu noch viel mächtiger ist.

noch eine Zwischenüberschrift

Also ist man nicht automatisch ein besserer Mensch, wenn man ein religiöser Mensch ist. Denn in Wirklichkeit geht es dabei gar nicht um Religion. Das aber ist den Menschen leider oft nicht klar. Es geht um Macht, die die einen haben, und die die anderen gerne hätten. Und dann sagen die anderen, es liege an der Religion bzw. Ungläubigkeit der einen. Dabei hab ich noch nie gehört, dass Atheisten Pilgergruppen angreifen. Das machen nur Andersgläubige. Woher die Gläubigen ihr Überlegenheitsgefühl hernehmen, weiß der Teufel.

(Wie es in Wirklichkeit ist:
1. Ein A tötet einen B.
2. Dann sagen die anderen B: Alle A sind böse und töten zurück.
3. Und dann denken alle A: Alle B sind böse (und töten natürlich zurück).
Und schon haben wir einen schönen Konflikt, aus dem man nicht mehr raus kommt. Profitieren tun bei der Sache nur die Anführer beider Seiten.)

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Aha, Sie sehen das also anders oder auch so? Wie genau?

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