Mittwoch, 18. Oktober 2006

Es gibt zwei Sorten von Menschen auf der Welt (7)

Heute: die Sorgenden vs. die Sich-Suhlenden

Die einen fragen Sie, wie es Ihnen so geht, weil es sie interessiert. Genauer: weil sie Anteil nehmen am Befinden ihrer Freunde und Bekannten. Geht es ihrem Gegenüber gut, so freuen sie sich mit ihm/ihr, geht es ihm/ihr schlecht, so fühlen sie mit und versuchen, durch offene Ohren und ggf. gute Ratschläge das Leid zu mildern (heißt es eigentlich mildern oder mindern?). Entsprechendes setzen die einen auch bei Ihnen voraus und werden Sie darum auch einfach daran teilhaben lassen, wie es ihnen geht.

Die anderen fragen Sie nach Ihrem Befinden, weil sie dadurch ihr eigenes verbessern wollen. Geht es Ihnen schlecht, so nutzen sie Ihre ehrlichen Antworten eigentlich nur dazu, Ihnen vorzuführen, wie wenig Sie auf die Reihe kriegen und wie kompetent sie selber doch dagegen alles managen. „Echt? Ja, das stell ich mir auch nicht schön vor. Ich hatte so was ja zum Glück noch nie.“ Ganz wie solche anglizismenlastigen Manager kennen sie auch keine Probleme, sondern nur Herausforderungen. Sie haben einen Termin verpasst? Was ein Glück! Denn dadurch hat sich ein ‚Zeitfenster’ geöffnet und ihnen ist was viel besseres über den Weg gelaufen. Sie fühlen sich scheiße? Keine Sorge, das würden sie Ihnen eh nie sagen. Und wenn tatsächlich mal was nicht optimal läuft (normalerweise ist natürlich alles super!), dann ist aber auf jeden Fall das Schlimmste schon vorbei, morgen kann’s nur besser werden, man muss zuversichtlich sein! Wenn es Ihnen hingegen mal so richtig gut geht, dann werden die anderen alles daran setzen, a) Ihnen auseinanderzusetzen, welchen Anteil sie daran haben („gut, dass ich dir damals den Tipp gegeben hab“), oder b) Sie spüren zu lassen, dass so etwas bei ihnen der Normalzustand, kaum der Rede Wert ist.

Die einen sorgen sich um ihre Freunde. Die anderen sorgen sich um sich selbst und darum, wie sie auf ihre Freunde wirken, verpacken das aber als Anteilnahme. Das macht die einen, wenn sie es irgendwann rauskriegen, verdammt sauer. Aber nutzen wir doch auch einfach mal die Gelegenheit, unser Befinden auf diese herablassende Art zu verbessern: Ganz schön arme Schweine eigentlich, oder?

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