Montag, 30. Oktober 2006

vorgestellt (Guten Tag, mein Name ist "Uhr"!)

Ich glaube ja mittlerweile, die Sommerzeit ist gar nicht dafür da, dass man im Sommer Energie spart. Nein, findige Leute haben die Sommerzeit aus einem ganz anderen Grund eingeführt. Dank der Sommerzeit haben wir zwei Wochen im Jahr garantierten Gesprächsstoff mit Leuten, mit denen man sich unterhalten muss.

Man kennt das ja: Manche Menschen grüßt man seit Monaten von Ferne, weil man sie Freunde von Freunden sind. Und plötzlich sitzt man gemeinsam im Bus und stellt fest, dass man
  1. der Etikette wegen verpflichtet ist, sich zu unterhalten, aber
  2. sich eigentlich nichts zu sagen hat.
Und dafür gibt es die Sommerzeit. Kein "Öh, was machst du hier?". Kein "Mm, ist ja wieder kälter geworden!". Sondern:

"Ach Gott, nächste Woche wird ja wieder die Uhr zurückgestellt!"
"Nicht vor?"
"Ähh ..."
"Ich kann mir das nie merken."

Und schon ist man im schönsten Gespräch, das man sich vorstellen kann. Die Sprachwissenschaft nennt das "rituelle Kommunikation": das selbe Gespräch wird mit dem selben Wortlaut in bestimmten Situationen immer und immer wieder wiederholt, um auf diese Weise die Zusammengehörigkeit der Gemeinschaft zu stärken. Ähnliches gibt's z. B. in Kirche. Und genau dafür ist die Sommerzeit da.

[Deswegen wird dieser Beitrag auch mit den gleichen Worten in einem halbe Jahr wieder hochgestellt, wenn die Uhr wieder vor gestellt wird (oder doch zurück?).]

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